Buchvorstellung: Die Löwen-Liga – Wirkunsvoll führen

Buchvorstellung: Die Löwen-Liga – Wirkunsvoll führen

Die Löwenliga - Wirkungsvoll führenIn meinem Buch „Die Löwen-Liga – Wirkungsvoll führen“ werden Grundlagen und Feinheiten der Kommunikation in Führungssituationen durch die Geschichte zweier Löwen veranschaulicht. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mit den Metaphern aus dem Tierreich zu arbeiten, denn komplexe zwischenmenschliche Themen werden ja bekanntlich bereits seit Jahrhunderten in Form von Fabeln aus dem Tierreich verarbeitet.

Der folgende Auszug stammt aus dem Kapitel elf des Buches, “Motivationsgespräche: Sei achtsam und sprich darüber!”

Wir begleiten hier den Löwen Kimba, einen der beiden Helden der Geschichte. Kimba ist Führungskraft und führt in diesem Kapitel ein Motivationsgespräch mit seinem Mitarbeiter Hans Hakuna.

…Hans Hakuna hat in letzter Zeit offenbar eine Schwächephase. Als Analyst liefert er in der Regel erstklassige Arbeit ab. Kimba ist in den letzten Tagen jedoch aufgefallen, dass Hans irgendwie gestresst aussieht, und nun hat er tatsächlich den Abgabetermin für die angekündigte Kundenanalyse verpasst. „Je früher ich mit Hans spreche, umso schneller finden wir eine Lösung“, denkt sich Kimba. „Lieber klären wir die Sache jetzt, bevor noch ein echtes Problem daraus entsteht.“

Die WunderleiterZum Thema Motivation findet Kimba auch sofort Informationen in den Unterlagen seines Führungstrainings. Intrinsische und extrinsische Faktoren hat Kimba gut verstanden und er erinnert sich auch daran, dass auf Dauer die intrinsischen Faktoren deutlich mehr zu guter Leistung und Zufriedenheit beim Mitarbeiter beitragen, als äußere Belohnungs- und Bestrafungsmechanismen. Während er in seinen Unterlagen blättert, findet er noch ein weiteres Modell, das ihm nützlich erscheint.

Es ist das Modell der logischen Ebenen, das er auch schon unter dem Namen „Wunderleiter“ im Studium bei seinen Professoren Frank und Heidi Giraffe kennengelernt hatte. In einem Rollenspiel konnte er bei den beiden am eignen Fell erleben, wie präzise sich mit diesem Kommunikationswerkzeug die Quellen der eigenen Motivation herausarbeiten lassen. Kimba beschließt, diese „Wunderleiter“ als roten Faden mit in sein Gespräch zu nehmen. Die fünf Sprossen der Leiter notiert er sich noch in sein Notizbuch: Verhalten, Fähigkeiten, Glaubenssätze, Werte und Identität.

Am nächsten Morgen begibt sich Kimba auf den Weg zu Hans‘ Büro. Er dreht oft morgens eine kurze Runde bei seinen Mitarbeitern, um nach dem Laufenden zu sehen. Jetzt erweist sich diese Routine als nützlich, denn für ein Motivationsgespräch will Kimba kein formelles Setting, sondern ein eher spontanes Gespräch. Sein Ziel ist es, herauszufinden, wie er Hans besser unterstützen kann, und ob vielleicht ein tiefergehendes Problem hinter seinem Verhalten steckt.

„Guten Morgen, Hans“, beginnt Lono das Gespräch. „Guten Morgen, Kimba“, erwidert Hans seinen Gruß. „Hans“, Kimbas Stimme wird etwas ruhiger und tiefer, „wie läuft es denn so bei dir in letzter Zeit? Ich habe den Eindruck, dass du nicht in Höchstform bist “. Das nun eintretende Schweigen hat Kimba gelernt auszuhalten. Er weiß, dass Stille in einem Gespräch sehr hilfreich sein kann, sie kann im wahrsten Sinne des Wortes beruhigen. Nachdem Hans einen Moment nachgedacht hat, antwortet er: „Ja, irgendwie ist mir gerade alles zu viel. Ich habe das Gefühl, in Arbeit zu ersticken.“ Kimba hört ihm aufmerksam zu und unterbricht auch diesmal nicht die Stille. „Ich weiß ja auch nicht“, fügt Hans schließlich hinzu, „ich habe zwar nicht mehr Analysen zu machen als früher, aber ich komme irgendwie trotzdem nicht hinterher.“

Kimba spürt, dass der Zeitpunkt für das Gespräch günstig ist. Statt wie geplant den Nachmittag vorzuschlagen, nutzt er die Gelegenheit und teilt seine konkrete Beobachtung auf der Verhaltensstufe der Wunderleiter mit. „Ja, mir ist aufgefallen, dass du in letzter Zeit oft unausgeschlafen aussiehst, die Mähne zerzaust. Und dass du einen Abgabetermin verpasst, hat mich wirklich sehr verwundert “. Kimba achtet darauf, dass seine Wertschätzung für Hans auch in seinem Tonfall deutlich wird.

Die zweite Stufe der Wunderleiter würde er am liebsten weglassen, denn dass Hans alle Fähigkeiten besitzt, um seine Arbeit hervorragend zu erledigen bezweifelt Kimba nicht. Trotzdem fragt er: „Konntest du denn aus irgendeinem Grund diesmal nicht so arbeiten wie sonst? War diese Analyse komplizierter als die vorherigen?“ „Nein, nein“, beschwichtigt Hans schnell, „es war einfach so, dass etwas dazwischen kam, ein Gefallen unter Kollegen für jemanden aus dem Vertrieb. Und weil man ja seine Kollegen nicht hängen lassen kann, hat mir dann am Ende die Zeit für die Analyse gefehlt.“

Kimba bemerkt, wie Hans schon von alleine die nächste Sprosse der Leiter genommen hat. Statt auf der Stufe der Fähigkeiten zu bleiben ist er gleich zu den Glaubenssätzen gewechselt: „Man kann ja seine Kollegen nicht hängen lassen!“ Das findet Kimba sehr interessant. Er weiß nun, dass Hans auf der logischen Ebene der Glaubenssätze eine Erklärung für sein Verhalten gefunden hat. Allerdings ist es für Kimba noch nicht verständlich, wie Hans seine Prioritäten setzt und somit die kollegiale Hilfe seiner eigentlichen Arbeit voranstellt.

Kimba steigt die nächste Stufe der Wunderleiter hinauf: „Hilfsbereitschaft scheint dir sehr wichtig zu sein“, spricht er direkt die Werteebene an. „Ja, selbstverständlich“, ist Hans‘ Antwort. „Hilfsbereitschaft und Kollegialität geht über alles!“ „Geht es auch über Professionalität und Zuverlässigkeit?“ fragt Kimba kritisch nach. „So habe ich das noch gar nicht betrachtet“, gibt Hans zu. „Du hast Recht, manchmal muss man sich tatsächlich entscheiden, was wichtiger ist.“

Kimba spürt, dass Hans gedanklich auf dem richtigen Weg ist. Er beschließt nun, auch noch die höchste Stufe, die Identität anzusprechen. „Du bist tatsächlich ein echter Spitzenanalyst. In meinem Kontaktbuch stehst Du sogar unter Mr. Zuverlässig“, scherzt er. Hans lächelt. „Ich würde aber auch gerne unter ‚Lieblingskollege‘ gelistet sein. Aber ja, ich werde an erster Stelle Herr Zuverlässig sein und gleich danach Herr Kollegialität.“

Kimba und Hans verabschieden sich mit einem Tatzenschlag und kehren zurück zu ihren Projekten.

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